Stine Eriksen
Desautorizado. 2008 - 2011

50 injekt prints on Hahnemuehle paper
110 x 133 cm

Für diese umfassende Serie hat Erikse überdies Fabrikhallen in Berlin und im Osten Deutschlands fotografiert. Auch hier sind zunächst der Verfall und die Relikte einstiger Industrialisierung das augenfälligste Thema. Doch es ist auch die Leere, der Verlust eigentlicher Zweckbestimmung, von der die Künstlerin eindrucksvoll zu erzählen versteht, die Abwesenheit der Menschen, die hier über mehrere Generationen hinweg Arbeit fanden. Manche Werkshallen scheinen entkernt zu sein, besenrein, wie für eine neue Nutzung vorbereitet. Andere Räume hingegen scheinen plötzlich, fluchtartig verlassen und anschließend vergessen worden zu sein. Immer jedoch wurden Spuren hinterlassen, sichtbare und unsichtbare.

Der Titel der Ausstellung Desautorizado bedeutet nicht nur eine Situation im Sinne von “verboten”, sondern beschreibt auch den Verlust und den Wandel von Wertigkeit, den Verlust und den Wandel von Sinn. Die Sprache als ein Instrument, das Bedeutungen vermitteln kann, bleibt stets symbolhaft. Der Gehalt solcher Symbole, die subjektive Werte beinhalten, sich naturgemäß individuell unterscheiden und gesellschaftlich wandelbar sind, wird tagtäglich aktualisiert. Zum einen geht es hier um die Funktion und die zeitliche Realität wirtschaftlichen Fortschritts, zum anderen aber eben auch um die Funktion der Sprache, um die Sprache, die sich immerzu weiterentwickelt, immer jedoch nur begrenzte Annäherung bleibt. Stine Eriksen thematisiert in ihren Werken eine Skepsis gegenüber jenen Versprechen, ob gesellschaftlich oder zwischenmenschlich, die uneinlösbar bleiben.

Peer Golo Willi
Aus dem Pressetext für die Ausstellung Desautorizado/Unbefugt.