Valeria Schwarz
i Ring. 2009 - 2011

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“I set off for Yue today and came there yesterday.”
Hui Shi

Nadie está solo y nada es sólido: el cambio se resuelve en fijezas que son acuerdos momentáneos.
Octavio Paz, El mono gramático.

Das Buch “I Ging” hat mein Interesse an zyklischer Zeit, ohne Ziel und in permanenter Wandlung geweckt. Eine Zeit, in der das Vorkommen sich ständig aktualisiert. Der Augenblick dauert fort und gleichzeitig bildet er sich um. Reversibilität der Prozesse der Zeit: die Wandlungen führen in zwei gegensätzliche Richtungen. Ich habe oft versucht diese Wahrnehmung der Zeit in meinen Werken zu einzubringen. Dadurch kam ich zu einer Darstellung dieses Konzeptes in unser alltägliches Leben: Die Ringbahn. Ich war durch die Bahn fasziniert, die nie ihr Ziel erreicht. Die Ringbahn braucht genau eine Stunde, um zu ihrem Startpunkt zurückzukommen. Eine perfekte unerschöpfliche Uhr, die Ringbahn stellt eine Zeit ausserhalb der Zeit dar, eine Zeit, die sich selbst in den Schwanz einholt. Die Zeit innerhalb der Ringbahn ist eine Zeit ohne Erwartungen, eine “Zwischenzeit” (auf Spanisch: entretiempo), sie fasst die Zeit zwischen A und B zusammen, sie enthält kein Ziel in sich. . Ich möchte genau diese Situation nutzen, da die Menschen in der Bahn die Zeit vergessen – sie erleben in diesem Sinne keinen Zeitverlust- und sind dadurch freier für verschiedene Assoziationen.

Im März 2009 habe ich zusammen mit dem Schriftstellern Alex Barnils, in der S 41 einen Versuch angefangen. Ich verstehe diese Arbeit als eine kontinuierliche Recherche. Ich versuche spontan aber auch reflexiv zu den Impulsen dieses eigenartigen Zusammenhanges der Zeit zu reagieren, indem ich die individuelle Wahrnehmung der Zeit aufbreche. Diese Brüche sollten eine gewisse Kommunikation innerhalb der Mitfahrenden in der Ringbahn, die zufällig eine Situation/Richtung teilen, schaffen. Dies geschieht basierend auf verschiedenen Gründen – Arbeit, Studium, Termine, Freizeit. Die Menschen nehmen den Zug und für sie gibt es immer ein Ziel, um die Reise zu beginnen. Diese teleologische Konzeption der Reise provoziert, dass jede Verzögerung, jeder Bruch als eine Schändung angenommen wird. Meine Absicht ist nicht, diese Reise zu unterbrechen. Viel mehr wünsche ich mir diese Wahrnehmung der Zeit (von A zu B) zu bereichern, indem ich ihre Qualität durch künstlerische Interventionen bereichere. Die Ringbahn schafft einen Diskurs, indem die Zeit vergeht. Ich möchte an der Syntax arbeiten. Meiner Erfahrung nach schaffen kleine Interventionen, dass die Wahrnehmung der anderen sich von Fremden zu nicht-mehr-so-Fremd verändert.

Ich glaube immer noch an einer Kunst, die den Leuten die Möglichkeit zurückgibt, sich zu erstaunen, einen naiven Blick -selbst wenn es nur für kürzere Zeit ist- wiederzuerlangen. Ich glaube an eine Kunst, die noch ein Gefühl von Gemeinschaft vermittelt. Ich denke, es ist immer schwieriger das in institutionellen Zusammenhängen zu schaffen, daher halte ich für wichtig, dass die Kunst, näher an den Alltag der Menschen geht. Ich glaube an eine reflexive und gleichzeitig spielerische Kunst, die die Möglichkeit spontan zu werden zurückgibt. Ich glaube an einer Kunst die Realitäten schaffen kann.