Stine Eriksen
Choreography # 1. 2010

1-channel Video, filmed on miniDV transferred to DVD 16:9, 07:08 loop, stereo

[…] Schon während der langsamen Kamerafahrt über zwei Etagen eines verlassenen Fabrikgebäudes wird der Betrachter Zeuge eines Dialoges, – nicht, indem er die Stimmen hört, sondern einzig durch Untertitelung. Beide Sprecher dieses lautlosen Dialoges scheinen mitunter, aneinander vorbei zu reden, sich allenfalls einander zu nähern. Es geht in dem Gespräch um das Einander-zuhören, um das Da-Sein, um Zeit und Erinnerung, um Fühlen, Reden und Schweigen. „Wörter existieren, weil wir sie aussprechen“ heißt es dort, und dies benennt die Grenzen jeder Sprache und die Eingrenzung jeder Kommunikation. Die Entgegnung „Wir werden von ihnen gesagt“ verweist auf die existenzielle Ebene, die diese Eingrenzung berührt. Weil bereits Gedanken in Sprache formuliert werden, sind sie einem Raster unterworfen, in das sich Empfindungen einzufügen haben und dadurch im möglichen Ausdruck eingegrenzt bleiben. Die Kamera im Video erreicht schließlich eine Art Käfig, in dem zwei Menschen einander gegenüber stehen, sich ansehen ohne zu sprechen, gleichwohl jedoch zu kommunizieren scheinen. Der Blick des Betrachters umkreist die Protagonisten, nähert sich ihnen und verlässt sie alsbald wieder. Der Dialog läuft, wie das Video, als Endlosschleife und schafft so das Bild eines steten Sich-näherns und Einander-entfernens. Der Betrachter jedoch bleibt draußen, in scheinbar unüberwindlicher Distanz.

Peer Golo Willi

Aus dem Pressetext für die Ausstellung Unbefugt/Desautorizado